:: Lesenswertes ::
Der Frauenchor Höngg auf Erfolgstour, Schweiz. Gesangfest Wallis, 1.-4. Juni 2000
Unter dem Motto "Die Schweiz singt im Wallis" fand vom 1.-4. Juni 2000 in fünf Walliser Städten das Schweizerische Gesangfest Wallis 2000 statt.
Ein Kranz war diesmal nicht zu erringen, handelte es sich doch nicht um einen Wettbewerb mit Rangierung; immerhin winkte ein Prädikat, das einen Anhaltspunkt liefern sollte, ob der Frauenchor Höngg im nationalen Vergleich bestehen konnte. Die Höngger Sängerinnen nahmen den Weg ins Wallis aber in erster Linie unter die Räder, um einen Blick über den Zaun zu werfen und mit Chören aus dem ganzen Land in fröhlichen Wettstreit zu treten.
Nach kurzweiliger Fahrt im klimatisierten Zug trafen die Sängerinnen um 18.30h in Aigle ein, wo sie von ihren Paten, Herrn und Frau Berra, erwartet wurden. Angesichts der sommerlich-schwülen Hitze, die ihnen entgegenschlug, waren die Höngerinnen dankbar, ihr Quartier im auf 1000 Metern gelegenen Champéry aufschlagen zu dürfen.
Nach 30 Minuten Fahrt erreichte die hungrige Schar ein heimeliges Feriendorf; ringsum grüssten die teils noch schneebedeckten Berge. Doch nun galt es, sich das köstliche Fondue aux tomates zu Gemüte zu führen. Kartoffeln in der Schale wurden aufgetragen, die jedoch nicht in den Käse getaucht wurden, sondern auf dem Teller darauf warteten, mit einer Schöpfkelle voller Käse übergossen zu werden.
Nach einer Extratour durch die laue Sommernacht steckten auch die unentwegtesten Sängerinnen bald nach Mitternacht unter der Decke, musste man doch fit sein für den grossen Auftritt vor der gestrengen Jury am Samstag.
Der Samstag begann mit einem reichhaltigen Frühstück, um Boden zu schaffen für die kommenden Anstrengungen. Am Vormittag blieb noch genügend Zeit für Entdeckungsreisen durch die hübschen kleinen Läden oder ein kühles Glas im Schatten der blumengeschmückten Chalets, welche die Dorfstrasse säumten.
Pünktlich um 14.00h hatten sich die Höngger Sängerinnen zusammen mit drei weiteren Chören im Mehrzwecksaal des Centre sportif in St-Maurice einzufinden. Jedem Chor standen 10 Minuten zur Verfügung, um vor den kritischen Ohren der Experten und der Konkurrenten sein Können unter Beweis zu stellen.
Es ging nicht nur darum, fehlerfrei zu singen, sondern es wurden zusätzlich verschiedene Kriterien wie Sprechtechnik, Harmonie, Dynamik, Interpretation, Erscheinungsbild etc. bewertet.
Jetzt oder nie, sagten wir uns und warfen all unsere Trümpfe ins Spiel. Es gelang uns ein fast perfekter Vortrag, der mit Musica die ganz lieblich Kunst und Ave Maria klassisch begann, um mit Air (Händel, modern interpretiert) eine Brücke zur Gegenwart zu schlagen. Als wir uns schliesslich in Vorbereitung auf das letzte Lied - Lollipop - unserer Gilets entledigten, ging ein Raunen durch das Publikum; doch das war die einzige Hülle, die fiel. Statt dessen banden wir die Glarner Tüchli um und steckten das Publikum mit unserem frischen Song in die Tasche. Zum Abschied flogen Schleckstengel, die als Ersatz für echte Lollipops herhalten mussten, in die Zuschauerränge.
Von jetzt an hiess es, wo immer der Frauenchor Höngg auftauchte: Ah, die Lollipops oder "Salut les bleues", in Anspielung auf unser neues Chortenue, das sich durch eine blaue an Stelle einer weissen Bluse auszeichnet.
Kurz darauf folgte die mündliche Beurteilung unseres Vortrags, welche zur Hoffnung auf die Höchstnote berechtigte, umso mehr als die Experten unser Lollipop sogar zur Ausstrahlung am Radio empfahlen. Das Prädikat würden wir jedoch erst am Abend anlässlich einer kleinen Feier in Empfang nehmen können.
Wir stürzten uns also ins Festgewühl auf der Grand-Rue in der Altstadt von St-Maurice, wo verschiedene Chöre in witzig-fröhlichem Wettstreit ihr Können unter Beweis stellten. Den pfiffigen Liedern der Welschen hatten auch wir Hönggerinnen einiges entgegenzusetzen.
Endlich war es so weit: Der Umschlag, der die Bewertung enthielt, lag in unseren Händen. Was stand da, in viel zu kleinen Buchstaben? Konnte es tatsächlich sein? Vorzüglich! Ein unbeschreibliches Hurragebrüll brach vom Zaun - mit Freudentränen in den Augen fielen die Sängerinnen einander um den Hals: Wir haben es geschafft - die Höchstnote, und das an einem nationalen Sängerfest!
Nun war kein Halten mehr: Ausgelassen feierten wir diesen historischen Tag, bis kein rechter Ton mehr aus der Kehle dringen wollte. Dankbar für die grossartige Arbeit, die unsere Dirigentin, Susanne Eggimann, an uns geleistet hatte sowie für den Einsatz der Präsidentin, Nicole Huber, die diese Reise vorbereitet hatte, kehrten wir zu später Stunde nach Champéry zurück.
Der Sonntag empfing uns mit einem strahlenden Lächeln.
Nach dem oekumenischen Gottesdienst in der Basilique von St-Maurice, wo schon im frühen 6. Jahrhundert der Gesang gepflegt wurde, zog um 11.30h die Zentralfahne der Schweizerischen Chorvereinigung SCV ein, welche nach ihrer viertägigen Reise durch alle Festorte zum Abschluss endlich auf dem Kirchplatz in St-Maurice angekommen war. Sie wurde begrüsst von einer spritzigen Blasmusik und den Fahnen der teilnehmenden Chöre - auch unsere Fahnenträgerin, Francesca Rieser, schwenkte die Höngger Fahne fachgerecht im warmen Walliser Wind. Sängerinnen und Sänger aus allen vier Landesteilen standen dichtgedrängt und sangen ihre gemeinsamen Lieder.
Wie sagte doch der OK-Präsident von St-Maurice/Monthey auf die Frage, was er sich für das Walliser Gesangfest wünsche? "...fröhliche Sänger unter einem wolkenlosen Himmel". Und was erhofften sich die Hönggerinnen von ihrer Reise ins Wallis? Mit einem "vorzüglich" heimzukehren.
Wie schön, wenn Wünsche wahr werden!
Elisabeth Latt
Aktuarin