:: Lesenswertes ::

Der Frauenchor Höngg am Internationalen Adventsingen 2002 in Wien, 28. November – 2. Dezember 2002

Zwei Jahre hatte es gedauert, bis aus der zündenden Idee damals nach dem Schweizer Gesangfest im Wallis, an welchem der Frauenchor sein erstes "vorzüglich" ersungen hatte, Wirklichkeit wurde. Doch nun war er tatsächlich da, der Abend des 28. November, auf den sich der Frauenchor Höngg, zusammen mit neun Projektsängerinnen, so intensiv vorbereitet hatte.

Eine stattliche Schar von 34 Personen, darunter einige treue Fans, versammelte sich um 22.00h im Hauptbahnhof, um die lange Fahrt im Nachtzug anzutreten. Wem es nichts ausmachte, während der Fahrt kaum ein Auge zuzutun, stieg in den Liegewagen; wer es vorzog, beide Augen zu schliessen, war im Schlafwagen besser aufgehoben.

An der schönen blauen Donau
Am Freitagmorgen fand man sich dann mehr oder weniger verschlafen auf dem Bahnsteig wieder, von wo es gleich zu einer Stadtrundfahrt durch das neblig-feuchte Wien ging. Unserer kompetenten Reiseführerin flogen dank ihrem heimeligen Wiener Dialekt sogleich die Herzen zu, während sie uns das königlich-kaiserliche Wien auf charmante Weise näher brachte. Schade, dass der Prater geschlossen war und die Donau wegen des trüben Wetters nicht blau, sondern allenfalls silbern glänzte.

Am Nachmittag stand, in einem örtlichen Pensionistenheim, unser erster Auftritt auf dem Programm, den wir zur Freude der Pensionärinnen und Pensionäre ganz gut über die Runde brachten. Unsere Darbietung wurde mit Kaffee und Kuchen belohnt, was unsere Lebensgeister wieder weckte. Diese brauchten wir auch, um den bevorstehenden Heurigenabend im malerischen Gumpoldskirchen in vollen Zügen zu geniessen.

Kasatschok und Zillertaler
Bei mächtigen Fleisch- und Geflügelplatten, Sauerkraut und einem Glaserl Wein stellte sich denn auch unvermittelt ausgelassene Feststimmung ein. Der polnische Akkordeonspieler wurde zu Höchstleistungen angespornt, und bald sangen und tanzten wir mit dem ebenfalls anwesenden Singkreis aus Filsum/Deutschland um die Wette. Nur allzu schnell wurde es Zeit, die Rückfahrt nach Wien anzutreten.

Jingle Bells
Am Samstag erwachten wir bei strahlendem Wintersonnenschein, der alle ins Freie lockte. Die einen bummelten durch Wiens festlich geschmückte Einkaufsstrassen, während die kulturell Interessierten ins Schloss Belvedere pilgerten, um die Gustav Klimt-Ausstellung zu geniessen.

Doch nun galt es ernst: Um 17.00h stand der Höhepunkt unserer Adventsreise auf dem Programm, der Auftritt im Wiener Rathaus. Im prunkvollen Festsaal mit seiner grossartigen Akustik waren die jungen Baldwin Belles aus Pennsylvania/USA gerade dabei, ihren goldenen Glocken, die sie auf meisterhafte Weise beherrschten, himmlische Klänge zu entlocken. In feierlicher Stimmung lauschten wir den glockenhellen Mädchenstimmen ihrer Schulkolleginnen, und nach dem Auftritt des etwa hundertköpfigen gemischten Christelijk Nationaal Koor aus Veenendaal/Holland, der bereits auf Fernseherfahrung zurückblicken konnte, besannen wir uns auf unsere Qualitäten als kleiner aber feiner Frauenchor.

Alla Mattina
Wir eröffneten unser auswendig vorgetragenes Programm mit einem Volksliedblock in den vier Landessprachen; spätestens mit dem Tessiner Lied "Alla Mattina" steckten wir das Publikum in die Tasche. Es folgten Klassisches wie "Die Schwalben" von Friedrich Smetana, Spirituals und Adventslieder wie das festliche "Osanna". Getreu dem Motto unseres Chors rundeten wir unseren halbstündigen Vortrag mit dem Freundschaftslied ab. Unter herzlichem Applaus verliessen wir in Hochstimmung die Bühne. Wir hatten es geschafft, uns im Kreis der aus aller Welt angereisten Chöre zu behaupten. Wir hatten nach den Sternen gegriffen - und waren belohnt worden!

Wiener Luft
Schon folgte der nächste Höhepunkt, ein Besuch in der Volksoper, wo wir das Vergnügen hatten, mit der Fledermaus von Johann Strauss in die echt wienerische Musikwelt einzutauchen. Doch auch wer sich lieber ins weihnachtliche Getümmel auf dem Christkindlmarkt vor dem festlich erleuchteten Rathaus stürzte, hatte die Gelegenheit, eine Nase voll Wiener Luft einzusaugen.

Der Sonntag begann geruhsam mit einem späten Frühstück und lebhaftem Austausch der Erlebnisse vom Vorabend, wobei die Berichte mehr oder weniger abenteuerlich ausgeschmückt wurden. Danach ging die Fahrt zum Christkindlmarkt vor dem Schloss Schönbrunn, wo vor königlich-kaiserlicher Kulisse unser dritter Auftritt geplant war. Obwohl die Mikrofone versagten, sangen wir uns gelöst durch unser Programm, das wir mittlerweile zur Perfektion beherrschten.

Osanna
Zur Belohnung leisteten wir uns eine Führung durch das prunkvolle Schloss, wo Sissi einst gelebt hatte. Unsere bewährte Wiener Reiseführerin brachte uns längst versunkene Zeiten näher und liess uns staunen über die unglaubliche Pracht vergangener Tage. Mit dem "Osanna", das diesen edlen Räumen durchaus angemessen war, bedankten wir uns für die ausgezeichnete Führung. Danach schlenderten die einen über den Christkindlmarkt und stärkten sich mit Glühwein oder Gröstl, der Wiener Variante unserer Rösti, oder wanderten durch den winterlich kahlen Schlosspark hoch zur luftigen Gloriette auf dem Hügel hinter dem Schloss, um wie die zahlreichen einheimischen Spaziergänger/innen die herrliche Abendstimmung zu geniessen. Hier oben genehmigte sich die eine oder andere Hönggerin einen echt wienerischen sonntäglichen Nachmittagskaffee, bestehend aus einem grossen Braunen und einem Apfelstrudel mit warmer Vanillesauce und Schlag. In der Dämmerung schweifte der Blick noch einmal über die Lichter der Stadt, bevor es durch den mittlerweile dunklen Park wieder hinunter zum Christkindlmarkt ging.

Freude, schöner Götterfunken
Am Sonntagabend wurden alle teilnehmenden Chöre zur Abschlussfeier im Festsaal des Rathauses erwartet, wo sie in ihrer jeweiligen Landessprache - einschliesslich holländisch und slovenisch - begrüsst wurden. Nacheinander wurden die Chorleiter/innen auf die Bühne gebeten, wo sie aus den Händen der Abgeordneten der Stadtregierung die offizielle Teilnahmeurkunde in Empfang nehmen durften. "Su-san, Su-san" skandierten wir, als Susanne Eggimann, die uns nach Wien gebracht hatte, ihren Arm in Siegerpose in die Höhe reckte, um unsere Urkunde zu präsentieren. Zum Abschluss erklang aus mehr als tausend Kehlen die "Ode an die Freude".

Wo Grenzen sich erheben
Am Montagmorgen fiel es den meisten schwer, die lange Heimreise anzutreten. Manch eine hat "noch einen Koffer" in Wien und wird diesen wohl früher oder später suchen gehen. Schliesslich verging die Fahrt wie im Flug, und bereits wurden Pläne geschmiedet für die nächste Singreise (wie wäre es mit Prag oder Budapest?) - möglichst wieder mit der Unterstützung unserer Projektsängerinnen, mit denen wir nicht nur zu einem harmonischen Chor zusammengewachsen, sondern auch freundschaftlich verbunden sind.

Wie heisst es doch im Freundschaftslied: "Wo Grenzen sich erheben, die Freundschaft sie durchbricht..."

Frauenchor Höngg
Elisabeth Lattka, Aktuarin

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